
In unserer Gesellschaft geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Dabei sind allein in Leipzig bereits 19.000 Kinder im Alter von unter 15 Jahren von Armut betroffen. Die soziale Herkunft ist ein entscheidender Faktor für die Bildungschancen eines Kindes. Diese bilden die Grundlage der späteren beruflichen Möglichkeiten und des damit verbundenen sozioökonomischen Status. Die Nutzung außerschulische Angebote, die Bildungschancen verbessern, hängt meist von der finanziellen Situation der Eltern ab.
Ein wichtiger Zugang zu Wissen ist das Lesen. Zwar können Kinder und Eltern jeder sozialen Schicht die städtischen Bibliotheken kostengünstig nutzen, jedoch ist das Lesen unter Jugendlichen immer unpopulärer geworden. Ein Grund dafür ist, dass bereits 42% der Eltern mit Kindern unter 10 Jahren ihren Kindern nur gelegentlich oder gar nicht vorlesen.Dabei ermutigt Vorlesen Kinder zum Lesen und fördert wie das Lesen selbst die Sprach- und Ausdrucksfähigkeit. Daneben unterstützt das Lesen die Sozialkompetenz der Kinder und vermittelt ihnen Geborgenheit und Nähe. Vorlesen macht Kinder also nicht nur schlau, Vorlesen macht Kinder auch stark. Aus den hier dargelegten Gründen entschlossen sich die Leipziger Studentengemeinden, einen VorleseLaden in einem sozial schwächeren Stadtteil von Leipzig zu gründen, damit Kinder ein beständiges, kostenloses Freizeitangebot vor Ort haben, welches ihnen hilft, sich selbst zu helfen.
Am 8. August 2009 wurde der erste VorleseLaden in Leipzig eröffnet. Aufgrund des Erfolges und der Unterstützung konnte bereits am 1. Juni 2010 ein zweiter VorleseLaden gegründet werden. Ein wichtiger Faktor dabei war, dass sich in den Leipziger Studentengemeinden viele engagierte VorleserInnen fanden. Ferner agierte die Studentengemeinde als Ansprechpartner für die Kooperation mit externen Partnern. So war es durch diese Plattform möglich, die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft mbH (LWB) für das Projekt zu gewinnen. Diese war bereits im Vorfeld für ihr soziales Engagement bekannt. Ferner erweitert ein VorleseLaden das kulturelle Angebot vor Ort und wertet damit die Wohngegend auf. Aus diesen Gründen stellt die LWB kostenlos Räumlichkeiten zur Verfügung und übernimmt die anfallenden Betriebskosten. Dadurch sind die laufenden Kosten gedeckt. Für die Gestaltung der Räume und die Erweiterung des Bücherangebots ist der VorleseLaden auf Spenden angewiesen. Hierfür konnten bisher ProfessorInnen der Hochschule gewonnen werden, sodass Studierende als auch Lehrende an der Umsetzung des VorleseLadens nach ihren Möglichkeiten eingebunden wurden. Daneben stellen einige Verlage Kinderbücher unentgeltlich zur Verfügung.
Um Kinder für den VorleseLaden zu begeistern, wurde zu Beginn auf Spielplätzen vorgelesen. Die Eltern wurden parallel dazu per Flyer auf den VorleseLaden aufmerksam gemacht. Zusätzlich unterstützte die LWB das Projekt mit Werbeaushängen in ihren Schaukästen und mit Artikeln über den VorleseLaden in ihrer Mieterzeitschrift. Im weiteren Verlauf konnte eine Zusammenarbeit mit Kindergärten begonnen werden. Auch berichteten lokale Medien von der Eröffnung des zweiten VorleseLadens.
Von Beginn an treffen sich die über 20 HelferInnen der VorleseLäden einmal im Monat, um Ideen, Eindrücke und Probleme untereinander auszutauschen. Zusätzlich konnte ein regelmäßiger Kontakt zu Eltern aufgebaut werden. Für die Zukunft wünschen wir uns, das Konzept VorleseLaden in Deutschland bekannter zu machen. Sozial engagierte StudentenInnen und ProfessorInnen finden sich in jeder Universitätsstadt. Der VorleseLaden ist ein realisierbarer Weg, gemeinsam Kindern zu helfen, die Schranken ihrer sozialen Herkunft zu überwinden und sie stark für den Alltag in unserer Gesellschaft zu machen.