Andacht zum Thema Freiheit im Glauben von Nadine Engelke (V, Studentin der Mathe und Religion für's Gymnasiallehramt. ) gehalten zum Gemeindeabend Donnerstag, 13.01.2011
Die Zahlen der Kirchenmitglieder sinken heutzutage, vor allem bei den großen evangelischen und katholischen Kirchen. Unter Jugendlichen stellt man stattdessen fest, dass sie sich stärker von freikirchlichen Gemeinschaften angezogen fühlen.
Ist das nicht eigenartig? Gerade in der Phase, in der man Freiheit sucht, sich vom Elternhaus ablöst und seine eigenen Wege gehen möchte, sind Freikirchen attraktiv, obwohl sie doch scheinbar nach strengen Regelwerken leben und viele Freuden des Lebens verbieten.
Wie passt der Widerspruch zwischen gelebten Regeln und erlebter Freiheit zusammen?
Ich komme selbst aus einem freikirchlichen Hintergrund, habe jedoch nie das Gefühl gehabt, bestimmten Gesetzen unterworfen zu sein. Obwohl natürlich in meinem Umfeld bestimmte Regeln gelebt wurden, habe ich nie einen Druck gespürt, mich selbst diesen Regeln zu beugen. Dennoch lebe ich einige davon: Ich rauche weder, noch verzehre ich Alkohol im Übermaß. Ich lese täglich in meiner Bibel und gehe jeden Sonntag in den Gottesdienst. Zugegeben, die Aufzählung ist etwas platt - aber sind das wirklich Regeln? Lebt nicht jeder von uns bestimmte Prinzipien, weil er weiß, dass sie ihm gut tun?
Gott als mein Schöpfer kennt mich durch und durch, dann weiß er auch am besten, was gut für mich ist. Warum sollte ich ihm nicht vertrauen und seine Ratschläge befolgen?
Sein Wort, die Bibel, zwingt uns keine Gesetze auf – denn wir sind frei. Ähnlich wie in einer engen Freundschaft, werden wir zu nichts gezwungen und dennoch halten wir uns an einige „Regeln“. Eine Freundschaft gehe ich freiwillig ein, aber dann arbeite ich auch an ihr. Meine beste Freundin zwingt mich nicht, sie anzurufen; trotzdem melde ich mich regelmäßig bei ihr, um zu erfahren, wie es ihr geht, was sie beschäftigt und um ihr zu erzählen, was in meinem Leben gerade passiert. Sie zwingt mich auch nicht, Zeit mit ihr zu verbringen; trotzdem versuche ich selbst in stressigen Tagen genau dies zu tun, weil es hilft auch mal abzuschalten.
Wenn ich ein Problem habe und ich nicht weiß, wie ich mich verhalten soll, redet sie mir nicht nach dem Mund, sondern gibt mir ehrliche, aber eben manchmal auch unangenehme Ratschläge. Diese berücksichtige ich nicht, weil ich andernfalls das Ende der Freundschaft oder eine andere „Strafe“ erwarte, sondern weil ich mir sicher bin, sie will nur das Beste für mich und hat eine etwas objektivere Sicht auf das Problem. Wenn ich mich nie bei ihr melde, keine Zeit für sie habe und mir ihre Meinung grundsätzlich egal ist, wird diese Freundschaft irgendwann kaputt gehen.
Ist das in unserem Glauben nicht ähnlich? Der Anruf – ein Gebet, die Zeit zusammen – der Gottesdienst, das Bibellesen und die ehrlichen Ratschläge – die „Regeln“ der Bibel?
Wir haben uns freiwillig für eine Beziehung mit Gott entschieden, ist es dann nicht nur natürlich auch auf seine Wünsche und Ratschläge einzugehen?
Wir leben nicht mehr unter dem Gesetz, sondern wir wurden zum Glauben befreit, zum Glauben an seine Liebe und Wahrheit.
tolle Andacht
Mo, 21/03/2011 - 20:52 – MichaelEndlich habe ich es auch begriffen. Glauben heißt Freiheit und Regeln sind dazu kein Widerspruch.
Micha